Skip to main content

Sissy-Geschichte von Dennis Tagebuch – 11. Juli: Schminke, Bluse und neue Blicke

Heute war der Tag der Bluse. Ich schreibe das so eindeutig, weil ich sonst wahrscheinlich wieder versuchen würde, alles kleiner zu machen. Nur ein Kleidungsstück. Nur Stoff. Nur Knöpfe. Nur ein bisschen Cremefarbe. Aber für mich war es heute eben nicht nur das.

Nach dem Aufstehen hing sie noch immer an der Schranktür. Gestern hatte sie fast unschuldig ausgesehen, heute eher wie eine Frage. Willst du wirklich? Willst du damit raus? Willst du dich zeigen, bevor du hundertprozentig sicher bist?

Ich machte erst einmal Frühstück, als könnte Haferflockenlogik ein Identitätsproblem lösen. Dann duschte ich, cremte meine Beine wieder ein und stellte fest, dass sich die glatte Haut nicht mehr ganz so fremd anfühlte. Der erste Schock war weg. Zurück blieb ein leises Gefallen.

Beim Anziehen probierte ich drei Varianten. Erst die Bluse mit schwarzer Jeans. Zu hart. Dann mit der beigefarbenen Hose von neulich. Zu brav. Am Ende wurde es eine schmale schwarze Stoffhose, die Bluse locker hineingesteckt, weiße Sneaker, eine silberne Uhr und ein sehr dezenter Duft. Kein großes Drama. Kein Kostüm. Aber eindeutig mehr als mein alter Standard.

Vor dem Spiegel nahm ich mir Zeit. Nicht, um Fehler zu suchen, sondern um mich an den Anblick zu gewöhnen. Ich sah nicht aus wie jemand anderes. Genau das überraschte mich. Ich sah aus wie ich, nur sortierter. Weicher. Bewusster. Als hätte ich beschlossen, nicht länger zufällig aufzutreten.

Dann kam die nächste Stufe: Schminke.

Ich hatte mir gestern in der Drogerie einen getönten Lippenpflegestift und einen sehr unauffälligen Concealer gekauft. Nichts Wildes. Trotzdem fühlte es sich an, als würde ich eine geheime Tür öffnen. Ich tupfte den Concealer unter die Augen, verteilte ihn zu vorsichtig und dann zu hektisch, korrigierte wieder, fluchte leise und musste schließlich lachen. Diese Tutorials im Internet sehen immer aus, als würde Make-up von selbst gehorchen. Bei mir wirkte es eher wie ein kleiner Verhandlungskrieg.

Der Lippenpflegestift war einfacher. Ein Hauch Farbe, kaum sichtbar, aber ich sah sofort frischer aus. Nicht geschminkt im klassischen Sinne. Nur etwas wacher. Vielleicht ist genau das ein guter Anfang.

Privater surfen, freier fühlen: hide.me VPN

Wenn Dennis online nach Inspiration sucht, Dating-Apps ausprobiert oder persönliche Themen recherchiert, merkt er: Privatsphäre fühlt sich einfach besser an. Ein VPN kann dabei helfen, die eigene Verbindung zu schützen – besonders unterwegs im WLAN oder wenn man sensiblere Seiten von sich entdecken möchte.

Jetzt hide.me VPN ansehen *

Auf dem Weg zur Ausstellung kontrollierte ich ständig, ob die Bluse richtig sitzt. Im Bahnfenster sah ich mein Spiegelbild, und jedes Mal erschrak ich kurz positiv. Da war keine fremde Figur. Da war Dennis, der sich endlich ein bisschen erlaubt hatte, hübsch zu sein.

Mara wartete vor der kleinen Galerie. Sie sah mich, lächelte und sagte: „Das steht dir richtig gut.“ Kein großes Theater, kein Blick von oben bis unten, kein ironischer Unterton. Einfach ein Satz. Ich glaube, sie hat nicht verstanden, dass dieser Satz mir den halben Tag gerettet hat.

Mit ihr waren noch Leonie und Tom da. Leonie studiert Kunstgeschichte und spricht über Farben, als wären sie Lebewesen. Tom fotografiert und wirkte erst sehr still, stellte aber nach zehn Minuten die besten Fragen. Die Ausstellung war klein, moderne Porträts, viel Licht, viele Spiegelungen, Menschen auf Leinwand, die gleichzeitig stark und verloren aussahen.

Vor einem Bild blieb ich besonders lange stehen. Es zeigte eine Person in einem hellen Kleid, aber das Gesicht war nur angedeutet. Keine klare Rolle, kein eindeutiger Blick, nichts, was man sofort einordnen konnte. Mara stellte sich neben mich und fragte, was ich darin sehe.

Ich sagte erst: Unsicherheit.

Dann korrigierte ich mich.

Nein, eigentlich Freiheit.

Mara sah mich kurz an, aber sie fragte nicht nach. Das mochte ich. Manche Menschen verstehen, dass nicht jede Antwort sofort ausgepackt werden muss.

Nach der Ausstellung gingen wir in ein Café. Ich merkte, dass ich mich nach und nach entspannte. Am Anfang hatte ich mich gefühlt, als wäre die Bluse ein blinkendes Schild. Später war sie einfach Kleidung. Kleidung, in der ich saß, lachte, Cappuccino trank und über ein Bild sprach, das mich mehr berührt hatte, als ich zugeben wollte.

Leonie erzählte von einem Date, das sie nächste Woche hat, und plötzlich landeten wir mitten in einem Gespräch über Dating. Tom meinte, dass Menschen auf Dates oft versuchen, die Version von sich zu präsentieren, die am wenigsten aneckt. Ich sagte, dass ich das gut kenne. Zu gut.

Dann fragte Mara, ob ich gerade jemanden date.

Ich hätte ausweichen können. Stattdessen erzählte ich von der Bekannten, dem Kaffee, den Nachrichten, der Unsicherheit. Nichts Dramatisches. Aber ich merkte beim Sprechen, dass ich nicht mehr so sehr beeindrucken will wie früher. Ich möchte nicht mehr der perfekte sportliche, kontrollierte, immer souveräne Typ sein. Ich will jemand sein, mit dem man ehrlich sein kann.

Das klingt simpel. Ist es aber nicht.

Ein Blick, der nicht wehtat

Später passierte etwas Kleines. Ich ging zur Toilette, wusch mir die Hände und sah mich im Spiegel. Das Licht war viel zu ehrlich. Die Bluse hatte eine kleine Falte, meine Haare lagen nicht mehr so perfekt, der Lippenpflegestift war fast verschwunden. Früher hätte ich mich direkt korrigiert. Heute sah ich mich an und dachte: Es reicht.

Nicht im Sinne von aufgeben. Eher im Sinne von: Ich muss nicht jede Sekunde optimiert sein, um anwesend sein zu dürfen.

Auf dem Rückweg zum Tisch schrieb mir die Bekannte. Sie fragte, ob Samstagabend bei mir passen würde. Ein Teil von mir wollte sofort eine strategische Antwort formulieren. Nicht zu schnell, nicht zu begeistert, nicht zu weich. Dann dachte ich an das Bild aus der Galerie. An Freiheit. An Mara, die nicht gedrängt hatte. An die Bluse, die inzwischen einfach zu mir gehörte.

Ich schrieb: „Ja, Samstagabend klingt schön. Ich freue mich.“

Mehr nicht.

Ehrlich. Klar. Ohne Panik.

Zu Hause zog ich die Bluse vorsichtig aus und hängte sie nicht zurück in die Ecke, sondern mitten in den Schrank. Sichtbar. Als hätte sie sich diesen Platz verdient. Danach machte ich etwas, das ich fast peinlich finde aufzuschreiben: Ich übte fünf Minuten vor dem Spiegel, wie ein sanfterer Blick aussieht. Nicht dieses harte Kontrollgesicht. Nicht der Blick, mit dem ich mich selbst prüfe. Sondern ein Blick, der freundlicher ist.

Es fühlte sich zuerst lächerlich an.

Dann erstaunlich gut.

Vielleicht ist Sissy Training am Ende nicht nur eine Sammlung von Aufgaben. Vielleicht ist es auch das tägliche Üben, sich nicht sofort zu verurteilen. Sich zu pflegen. Sich zu zeigen. Sich wieder zu beruhigen, wenn der Kopf zu laut wird.

Heute Abend bin ich müde, aber auf eine schöne Art. Ich habe mich nicht versteckt. Nicht komplett. Nicht perfekt. Aber weniger als gestern.

Was ich heute gelernt habe

  • Ein Kompliment kann lange nachhallen, wenn es im richtigen Moment kommt.
  • Dezente Schminke kann sich wie ein erster kleiner Schlüssel anfühlen.
  • Kleidung wird weniger aufregend, sobald man in ihr echte Momente erlebt.
  • Ehrliche Antworten sind oft attraktiver als perfekte Antworten.
  • Freiheit beginnt manchmal mit einem Satz im Café.

Ziele für morgen

  • Das Date nicht überplanen.
  • Eine einfache Make-up-Routine noch einmal in Ruhe ausprobieren.
  • Ein Outfit wählen, das sich nach mir anfühlt – nicht nach Erwartung.
  • Beim Tennis bewusst locker bleiben.
  • Abends aufschreiben, ob ich ehrlich war oder nur angepasst.

Ich glaube, heute war kein lauter Wendepunkt. Aber es war ein Tag, an dem ich gemerkt habe, dass Sichtbarkeit nicht automatisch Gefahr bedeutet. Manchmal bedeutet sie einfach, dass ein Mensch vor dir steht und sagt: Das steht dir richtig gut.


Related Posts



No Comments found


Got a question or an opinion for this article? Share it with us!

Your email address will not be published. Required fields are marked *