Sissy-Geschichte von Dennis Tagebuch – 16. August: Mehr Ich als gestern

Fiktionales Tagebuch. Dennis blickt auf die letzten Wochen zurück und merkt, dass die eigentliche Veränderung nicht im Außen liegt, sondern in seiner Haltung zu sich selbst.
Heute ist Sonntag und ich habe zum ersten Mal seit Wochen nichts geplant. Kein Match, kein Date, kein Lernen am Vormittag, kein kluger Selbstoptimierungsplan. Nur ich, Kaffee, offenes Fenster und diese seltsame Ruhe, die erst angenehm wird, wenn man aufhört, sie mit Aufgaben zu füllen.
Ich habe die letzten Einträge gelesen. Rouge, Tennis, Clara, Geld, Kajal, Parfum. Wenn man es so zusammenfasst, klingt es fast oberflächlich. Als würde ich mich durch Produkte und Dates zu mir selbst suchen. Aber das stimmt nicht ganz. Die Dinge waren nur Türen. Dahinter lagen Fragen, die älter sind: Wer darf ich sein, wenn niemand applaudiert? Wie viel Weichheit halte ich an mir selbst aus? Kann ich begehrt werden, ohne mich zu verstellen?
Clara und ich haben gestern lange telefoniert. Nicht kitschig, nicht dramatisch. Sie fragte, ob ich manchmal Angst hätte, dass meine neue Offenheit wieder verschwindet. Ich sagte ja. Weil ich mich kenne. Ich kann mutig sein, wenn ich Schwung habe. Schwieriger ist es an den Tagen, an denen ich müde bin, unsicher, pleite oder einfach genervt von mir selbst. Dann wirkt die alte Rolle plötzlich bequem: sportlich, höflich, kontrolliert, charmant, unberührbar.
Clara sagte: „Vielleicht musst du nicht jeden Tag gleich sichtbar sein. Vielleicht reicht es, wenn du ehrlich bleibst.“ Das hat mich beruhigt. Sichtbarkeit darf atmen. Ich muss nicht jeden Tag Rouge tragen, um mir zu beweisen, dass ich frei bin. Ich muss nicht jedes Gespräch tief machen. Ich muss nicht jedes Date in eine Lebenswende verwandeln.
Am Nachmittag habe ich meine Tasche gepackt und bin zum Tennisplatz gefahren, obwohl ich eigentlich keinen Termin hatte. Ich wollte ein paar Aufschläge üben. Der Platz war fast leer. Die Sonne stand tief, der Sand war warm. Ich spielte allein, Ball für Ball. Es hatte etwas Meditatives. Früher hätte ich mich dabei beobachtet: Wie sehe ich aus, wenn jemand vorbeikommt? Heute war mir das egaler. Nicht völlig egal, aber egaler. Das ist Fortschritt.
Paul kam zufällig vorbei und setzte sich an den Rand. Nach ein paar Minuten rief er: „Du spielst entspannter.“ Ich sagte: „Ich bin auch entspannter.“ Er nickte, als wäre das die selbstverständlichste Sache der Welt. Vielleicht ist es das für andere. Für mich nicht.
Später kaufte ich mir ein Eis und setzte mich an den Fluss. Ich dachte an Geld, an Zukunft, an Clara, an die Frage, ob ich irgendwann wirklich mit einem Menschen zusammen sein kann, ohne mich ständig von außen zu betrachten. Ich glaube, ja. Nicht sofort perfekt, aber ja. Ich muss nicht fertig sein, um geliebt zu werden. Das ist ein Satz, den ich wahrscheinlich noch oft vergessen werde. Aber heute glaube ich ihn.
Zu Hause habe ich den Kajal angespitzt, das Rouge ordentlich in die Schublade gelegt und meine Tennisschuhe geputzt. Es sah fast aus wie ein kleines Ritual. Zwei Welten, die gar keine zwei Welten mehr sind. Ich bin nicht Dennis oder Sissi, nicht Rolle oder Realität, nicht Stärke oder Weichheit. Ich bin Dennis, und Sissi ist vielleicht der Name für den Teil in mir, der sich endlich traut, schöner, freier und empfindsamer zu sein.
Morgen beginnt eine neue Woche. Ich weiß nicht, was passiert. Vielleicht schreibt Clara weniger. Vielleicht spiele ich schlecht. Vielleicht gebe ich zu viel Geld aus oder habe wieder Angst vor Blicken. Aber ich habe etwas, das ich vorher nicht hatte: Erfahrung mit meinem eigenen Mut.
Heute bin ich nicht vollkommen neu. Ich bin nur mehr ich als gestern. Und das reicht.
Fortsetzung folgt. Für weitere romantische, emotionale und fantasievolle Dating-Geschichten lohnt sich ein Blick auf Kupid AI.
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