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Player Zwei fürs Herz: Eine Femboy Gaming-Date-Geschichte

Femboy Gaming-Date-Geschichte

Ich hatte mir eingeredet, dass ein Gaming-Date viel entspannter wäre als ein normales Date.

Kein schickes Restaurant, keine peinliche Frage, wer die Rechnung übernimmt, kein nervöses Herumrühren in irgendeinem Getränk, während man versucht, gleichzeitig interessant, locker und nicht komplett überfordert zu wirken. Nur ein Sofa, zwei Controller, Pizza, gemütliche Klamotten und ein Spiel, bei dem man im Zweifel einfach sagen konnte: „Sorry, ich musste mich konzentrieren.“

In meinem Kopf klang das perfekt.

In der Realität stand ich seit zwanzig Minuten vor meinem Spiegel und hatte absolut keine Ahnung, was man zu einem Gaming-Date anzieht.

Zu bequem sah aus, als hätte ich aufgegeben. Zu süß sah aus, als hätte ich mich extra bemüht, was natürlich stimmte, aber bitte nicht so offensichtlich sein musste. Am Ende entschied ich mich für eine schwarze kurze Hose, Overknee-Socken, einen oversized Hoodie in hellem Flieder und ein paar kleine silberne Ringe. Meine Haare fielen weich ins Gesicht, ein bisschen absichtlich, ein bisschen Chaos. Ich sah aus wie jemand, der „nur schnell was Gemütliches übergeworfen“ hatte, nachdem er dafür eine mittelschwere Identitätskrise durchlebt hatte.

Perfekt also.

Als es klingelte, machte mein Herz etwas, das man in einem Rhythmusspiel vermutlich als „kritischen Fehler“ bewertet hätte.

Mika stand vor der Tür mit einer Pizzaschachtel in der einen Hand und einer kleinen Tüte Chips in der anderen. Er trug ein dunkles Shirt, eine offene Collegejacke und dieses Grinsen, das mich schon beim Schreiben seiner Nachrichten nervös gemacht hatte.

„Ich habe Friedensangebote mitgebracht“, sagte er und hob die Pizza leicht an.

„Gut“, sagte ich. „Dann darfst du rein.“

„Streng, aber fair.“

„Warte ab, bis du meine Mario-Kart-Regeln hörst.“

Er trat ein, zog die Schuhe aus und sah sich kurz um. Mein Wohnzimmer war nicht groß, aber ich hatte es extra gemütlich gemacht. Lichterkette am Regal, zwei Decken auf dem Sofa, Snacks auf dem kleinen Tisch und die Konsole schon bereit. Auf dem Bildschirm wartete das Startmenü, als hätte es mehr Geduld als ich.

„Wow“, sagte Mika. „Du hast das richtig vorbereitet.“

Ich wurde sofort warm im Gesicht. „Nein, gar nicht. Das steht hier immer so.“

Er sah auf die perfekt ausgerichteten Schüsseln mit Chips, Gummibärchen und Schokolade.

„Natürlich.“

„Ich bin einfach ein sehr organisierter Mensch.“

„Du hast auf einer Schüssel einen Zettel mit ‚salzig‘ kleben.“

Ich riss den Zettel ab. „Beweise vernichtet.“

Mika lachte, und dieses Lachen machte den Raum sofort weniger eng. Ich merkte, wie ich ein bisschen ruhiger wurde. Nicht ganz ruhig. Eher so: nicht mehr kurz vorm Neustart des Systems.

Wir setzten uns aufs Sofa, und ich reichte ihm einen Controller. Seine Finger berührten kurz meine, nur einen winzigen Moment, aber mein Körper tat trotzdem so, als hätte gerade jemand einen geheimen Bonuslevel freigeschaltet.

„Was spielen wir zuerst?“ fragte er.

„Kommt drauf an. Willst du unsere Freundschaft langsam zerstören oder direkt?“

„Direkt klingt effizient.“

„Mario Kart also.“

Die ersten Runden waren erstaunlich harmlos. Ich gewann knapp, Mika behauptete, sein Controller hätte „emotionalen Widerstand“, und ich tat so, als wäre ich nicht stolz darauf, ihn in der letzten Kurve mit einem roten Panzer erwischt zu haben.

„Das war persönlich“, sagte er.

„Das war Strategie.“

„Du hast mich angesehen und dann abgeworfen.“

„Strategie mit Blickkontakt.“

Er legte eine Hand auf die Brust. „Kalt. Sehr kalt.“

Ich grinste und zog die Hoodie-Ärmel über meine Hände. „Du wolltest direkt.“

„Ich wusste nicht, dass ich gegen eine wunderschöne Endgegnerin spiele.“

Der Satz kam so locker aus seinem Mund, dass ich erst eine Sekunde später verstand, was er gesagt hatte. Dann saß ich da, Controller in den Händen, Blick auf den Bildschirm, und wusste plötzlich nicht mehr, welche Taste Gas war.

„Endgegnerin?“ fragte ich leise.

Mika wurde für einen kurzen Moment unsicher. „War das okay?“

Ich sah zu ihm. Da war nichts Spöttisches in seinem Gesicht. Nur echtes Nachfragen. Vorsicht. Respekt.

Und plötzlich wurde aus dem spielerischen Abend etwas Weiches.

„Ja“, sagte ich. „Das war okay.“

Er lächelte. „Gut. Dann beschwere ich mich offiziell darüber, dass du eine viel zu hübsche und viel zu fiese Endgegnerin bist.“

Ich musste lachen, und dieses Mal war das Lachen nicht nur nervös. Es war leicht. Fast glücklich.

Nach Mario Kart wechselten wir zu einem Koop-Spiel, weil Mika meinte, unsere Beziehung müsse „nach dieser brutalen Phase wieder geheilt werden“. Wir spielten ein chaotisches kleines Abenteuer, bei dem zwei Figuren durch bunte Level springen, Rätsel lösen und sich gegenseitig retten mussten. Es war eigentlich ein süßes Spiel.

Wir machten daraus eine Katastrophe.

„Spring jetzt!“ rief ich.

„Ich springe!“

„Nein, nicht da!“

„Du hast gesagt jetzt!“

„Ja, aber nicht in den Abgrund!“

Seine Figur fiel dramatisch in die Tiefe. Meine stand daneben und winkte automatisch mit einer kleinen Animation.

Mika starrte mich an. „Hat dein Charakter mir gerade gewunken, während ich gestorben bin?“

„Sie ist sozial awkward.“

„Das passt.“

„Entschuldigung?“

„Charmant awkward“, sagte er schnell.

Ich warf ihm ein Kissen an den Arm. Er fing es nicht, sondern ließ sich theatralisch getroffen zurücksinken.

„Kritischer Treffer“, murmelte er. „Sag meiner Pizza, ich habe sie geliebt.“

Ich lachte so sehr, dass ich den Controller kurz weglegen musste.

Irgendwann, nach Pizza, zwei weiteren Leveln und einem sehr ernsten Streit darüber, ob Gummibärchen nach Farben sortiert werden müssen, wurde es ruhiger. Draußen war es dunkel geworden. Die Lichterkette spiegelte sich schwach im Fenster, und der Bildschirm tauchte uns in wechselnde Farben. Mika saß näher bei mir als am Anfang. Nicht aufdringlich nah. Aber nah genug, dass ich die Wärme seiner Schulter spürte, wenn wir uns bewegten.

Im Spiel mussten wir gerade eine Brücke gemeinsam überqueren. Jeder musste zur richtigen Zeit einen Schalter drücken, sonst stürzte der andere ab.

„Vertraust du mir?“ fragte Mika.

Ich sah ihn von der Seite an. „Im Spiel oder allgemein?“

Er blickte kurz vom Bildschirm zu mir. „Beides.“

Das war so ein Satz, der sich erst harmlos tarnt und dann mitten im Herzen landet.

Ich schluckte. „Ich glaube schon.“

„Nur glaubst du?“

„Ich arbeite daran.“

Er nickte langsam. Nicht enttäuscht. Nicht verletzt. Eher so, als würde er den Satz ernst nehmen und vorsichtig irgendwo ablegen.

„Dann fangen wir mit dem Spiel an“, sagte er.

Wir drückten beide im richtigen Moment. Die Brücke hielt. Unsere Figuren rannten hinüber, hüpften am Ende vor Freude, und auf dem Bildschirm erschien ein kleines Feuerwerk.

„Siehst du?“ sagte Mika. „Teamwork.“

„Glück.“

„Teamwork mit Glück.“

„Damit kann ich leben.“

Er lächelte und sah wieder auf den Bildschirm. Aber seine Schulter blieb an meiner. Und ich rückte nicht weg.

Eine Weile spielten wir schweigend weiter. Nicht unangenehm. Es war dieses gute Schweigen, bei dem man nicht nach Worten suchen muss, weil der Moment schon genug sagt. Ich merkte, wie müde ich vom Nervössein war. Wie schön es war, einfach dazusitzen, weich und verspielt, mit meinen Overknee-Socken, meinem fliederfarbenen Hoodie und jemandem neben mir, der mich nicht in eine Schublade steckte.

Nach dem nächsten Level legte Mika den Controller auf den Tisch.

„Pause?“ fragte ich.

„Ja.“ Er drehte sich ein wenig zu mir. „Ich wollte dich etwas fragen.“

Mein Herz öffnete sofort fünf Warnfenster.

„Okay.“

„Warst du sehr nervös wegen heute?“

Ich zog einen Ärmel über meine Finger und sah auf meine Knie. „Ein bisschen.“

Er hob eine Augenbraue.

„Sehr“, gab ich zu. „Ich war sehr nervös.“

„Warum?“

Ich atmete langsam aus. „Weil ich nie genau weiß, wie viel ich zeigen darf.“

Mika sagte nichts. Also redete ich weiter, obwohl meine Stimme leiser wurde.

„Ich mag es, so zu sein. Weicher. Verspielter. Ein bisschen süß vielleicht. Aber manchmal habe ich Angst, dass Leute dann nur noch das sehen. Oder dass sie es komisch finden. Oder dass sie erst begeistert sind und später merken, dass es ihnen doch zu viel ist.“

Er sah mich so ruhig an, dass es fast weh tat.

„Ich finde dich nicht zu viel“, sagte er.

„Das weißt du noch gar nicht.“

„Doch.“

„Nach ein paar Runden Mario Kart?“

„Nach ein paar Runden Mario Kart erkennt man den wahren Charakter eines Menschen.“

Ich musste lächeln, obwohl mir immer noch ein bisschen warm im Gesicht war. „Und was hast du erkannt?“

Mika tat so, als würde er ernsthaft überlegen. „Du bist hübsch, gefährlich mit roten Panzern, sehr schlecht darin, deine Nervosität zu verstecken, und du klebst heimlich Zettel auf Snackschüsseln.“

„Das ist alles?“

„Nein.“ Seine Stimme wurde weicher. „Du bist mutiger, als du glaubst.“

Ich sah weg, weil ich nicht wusste, was ich mit diesem Blick machen sollte. Manche Komplimente kann man weglachen. Andere setzen sich einfach neben einen und bleiben.

„Ich fühle mich gar nicht mutig“, sagte ich.

„Vielleicht fühlt sich Mut selten wie Mut an, während man ihn gerade hat.“

Das war unfair schön.

Ich sah ihn wieder an. „Du solltest keine so guten Sätze sagen, während ich emotional unbewaffnet bin.“

„Sorry.“

„Nein, nicht aufhören.“

Er lachte leise.

Dann passierte etwas ganz Kleines. Seine Hand lag auf dem Sofa zwischen uns. Meine auch. Erst waren da ein paar Zentimeter Abstand. Dann weniger. Ich weiß nicht, wer sich zuerst bewegte. Vielleicht wir beide. Vielleicht war es einfach die Schwerkraft von diesem Abend.

Unsere kleinen Finger berührten sich.

Ich hielt still.

Er auch.

Dann hakte er seinen kleinen Finger vorsichtig in meinen.

Es war albern. Süß. Winzig. Und trotzdem fühlte es sich an, als hätte mein Herz gerade einen geheimen Erfolg freigeschaltet.

„Ist das okay?“ fragte er.

Ich nickte. „Ja.“

Meine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.

„Sehr okay.“

Wir saßen so da, während auf dem Bildschirm unsere Spielfiguren ungeduldig auf neue Befehle warteten. Als hätten sie keine Ahnung, dass gerade etwas viel Wichtigeres passierte als ihr nächster Level.

Mika sah auf unsere Hände und grinste. „Ich glaube, wir haben den Koop-Modus im echten Leben aktiviert.“

Ich schnaubte. „Das war so schlecht.“

„Aber du hast gelächelt.“

„Aus Mitleid.“

„Akzeptiere ich.“

Ich lehnte mich ein bisschen zurück, und ohne dass ich genau wusste, wie, landete mein Kopf irgendwann an seiner Schulter. Ganz leicht nur. Testweise. Als könnte ich jederzeit so tun, als wäre es ein Unfall gewesen.

Mika bewegte sich nicht weg. Im Gegenteil. Er wurde ganz ruhig.

„Bequem?“ fragte er.

„Mittelmäßig“, murmelte ich.

„Lügner.“

„Sehr bequem.“

Er lachte leise, und ich spürte es mehr, als ich es hörte.

Später spielten wir noch weiter, aber ich war deutlich schlechter als vorher. Meine Konzentration war irgendwo zwischen seiner Schulter, seinem Duft und dem kleinen warmen Gefühl in meiner Brust verloren gegangen. Mika gewann plötzlich jede Runde, was er natürlich sofort kommentierte.

„Interessant, wie sich das Blatt wendet.“

„Ich lasse dich gewinnen.“

„Natürlich.“

„Aus Gastfreundschaft.“

„Sehr großzügig.“

„Ich bin bekannt dafür.“

Er sah zu mir. „Ich mag dich.“

Kein Witz davor. Kein Schutzsatz danach.

Einfach so.

Ich erstarrte für einen Moment. Nicht, weil ich es nicht hören wollte. Sondern weil ich es zu sehr hören wollte.

„Ich mag dich auch“, sagte ich schließlich.

Es klang kleiner, als es sich anfühlte.

Mika lächelte. „Gut.“

„Gut?“

„Sehr gut.“

Und dann saßen wir da wie zwei Menschen, die beide zu viel fühlen und versuchen, nicht komplett offensichtlich damit zu sein.

Als der Abend später endete, stand Mika im Flur und zog seine Jacke an. Ich hatte plötzlich keine Ahnung, wohin mit meinen Händen. Also zog ich wieder die Hoodie-Ärmel darüber, als wäre das eine Lösung für romantische Überforderung.

„Das war ein schönes Date“, sagte er.

Ich sah auf. „Es war ein Date?“

Er blieb kurz stehen. „Ich dachte schon.“

Mein Herz machte einen kleinen Sprung.

„Gut“, sagte ich. „Ich auch.“

„Dann war es offiziell eins.“

„Mit Pizza, Abstürzen im Koop-Spiel und Snackorganisation.“

„Ein sehr hochwertiges Date.“

Ich grinste. „Fünf Sterne.“

Er trat einen kleinen Schritt näher. „Würdest du vielleicht noch ein zweites Fünf-Sterne-Date wollen?“

Ich tat so, als müsste ich überlegen. „Kommt drauf an.“

„Worauf?“

„Ob du beim nächsten Mal besser spielst.“

„Hart.“

„Aber fair.“

Er lachte, und dann wurde es still. Dieses besondere Still, das nur entsteht, wenn beide wissen, dass der Abschied gerade noch nicht ganz fertig ist.

Mika sah mich fragend an. Nicht drängend. Nur offen.

Ich hätte wegsehen können. Einen Witz machen. Die Tür öffnen. Aber ich blieb.

Also beugte er sich langsam vor.

Der Kuss war sanft. Warm. Ein bisschen schüchtern. Seine Hand berührte kurz meinen Ärmel, als wollte er mich nicht festhalten, sondern nur da sein. Ich schloss die Augen, und für diesen Moment verschwand alles andere. Kein Grübeln. Keine Unsicherheit. Keine Frage, ob ich zu weich, zu verspielt, zu sichtbar war.

Nur Mika.

Nur ich.

Nur dieses leise, helle Gefühl, das sich anfühlte wie „Start drücken“ in einem neuen Kapitel.

Als er ging, blieb ich noch einen Moment an der Tür stehen. Mein Wohnzimmer war chaotisch. Leere Teller, Controller auf dem Sofa, eine umgekippte Chipsschüssel und ein Spiel, das immer noch im Pause-Menü wartete.

Ich setzte mich wieder aufs Sofa, nahm den Controller in die Hand und sah auf den Bildschirm.

Unsere beiden Figuren standen nebeneinander.

Bereit für das nächste Level.

Ich lächelte.

Vielleicht war das genau das, was ich mir gewünscht hatte. Kein perfekter Prinz, kein großes Drama, kein Filmkuss im Regen. Sondern jemand, der mit mir Pizza aß, über schlechte Witze lachte, meine weiche Seite nicht komisch fand und seinen kleinen Finger in meinen hakte, als wäre das die natürlichste Sache der Welt.

Ich war immer noch nervös. Immer noch ich. Immer noch manchmal unsicher.

Aber heute hatte ich mich nicht versteckt.

Und vielleicht, dachte ich, während ich die Konsole ausschaltete, ist Liebe manchmal wie ein gutes Koop-Spiel.

Man muss nicht alles allein schaffen.

Man braucht nur jemanden, der im richtigen Moment den Schalter drückt und bleibt, wenn man mal daneben springt.

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