Ich glaube, es gibt Nächte, die nicht enden, wenn man nach Hause kommt. Sie laufen weiter. Nicht draußen, nicht sichtbar, aber irgendwo unter der Haut. Man steht im eigenen Zimmer, zieht die Schuhe aus, legt die Ringe ab, wischt den Eyeliner weg, und trotzdem bleibt etwas von dieser Nacht an einem hängen. Ein Geruch. Ein […]
Ich glaube, ich hatte lange Angst davor, dass mich jemand nur wegen meines Looks mögen könnte. Das klingt vielleicht seltsam, weil ich mir diesen Look ja selbst ausgesucht hatte. Die schwarzen Haare, die Ketten, die Ringe, der Nagellack, die dunklen Shirts, der Eyeliner, diese ganze Mischung aus Gaming-Zimmer, Anime-Poster, Nachtmusik und Internet-Melancholie. Ich wollte sichtbar […]
Ich glaube, manche Abende wirken erst später richtig nach. Nicht sofort, nicht in dem Moment, in dem man noch mit Kopfhörern im Ohr durch die Nacht fährt und die Scheiben der Bahn das eigene Spiegelbild zurückwerfen. Nicht, wenn das Herz noch von Musik, Nähe und zu viel Cola schneller schlägt. Sondern erst am nächsten Morgen, […]
Ich dachte immer, wenn ich meinen Stil irgendwann gefunden habe, dann würde ich automatisch selbstbewusst werden. So hatte ich mir das zumindest vorgestellt. Mit zwölf war da dieser schwarze Hoodie gewesen. Mit fünfzehn der erste schwarze Nagellack. Mit siebzehn der Eyeliner, den ich abends im Bad ausprobierte und sofort wieder wegwischte. Mit achtzehn die neue […]
Ich war zwölf, als ich zum ersten Mal gemerkt habe, dass ich irgendwie anders sein wollte, ohne genau zu wissen, wie. Damals hätte ich niemals gesagt: „Ich werde mal ein E-Boy.“ Dieses Wort kannte ich noch nicht. Ich wusste nur, dass ich mich in normalen Klamotten oft langweilig fühlte. Jeans, irgendein T-Shirt, Turnschuhe, fertig. So […]