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Level Zwei für zwei Herzen: Eine Femboy Geschichte

Herzen Eine Femboy Geschichte

Ich hatte Jona seit unserem ersten Treffen nicht mehr aus dem Kopf bekommen.

Das war etwas unpraktisch, weil mein Kopf eigentlich auch für andere Dinge zuständig war. Einkaufen. Arbeiten. Schlafen. Nicht dauernd auf mein Handy schauen, sobald es vibrierte. Aber seit diesem Tag auf dem Gaming-Flohmarkt hatte mein Gehirn beschlossen, Jona in Dauerschleife abzuspielen. Sein rosa Hoodie. Sein schiefes Lächeln. Die Art, wie er nervös an seinen Ärmeln gezupft hatte. Der Kuss auf der Brücke, bei dem Pixelbert, mein neuer Plüschdrache, heldenhaft im Weg gewesen war.

Pixelbert saß inzwischen auf meinem Regal neben der Konsole und sah mich jeden Abend an, als würde er sagen: „Na? Schon wieder an ihn gedacht?“

Unverschämtes Stofftier.

Jona und ich hatten seitdem jeden Tag geschrieben. Nicht immer große Nachrichten. Manchmal nur ein Meme. Manchmal ein Screenshot aus einem Spiel. Manchmal ein „bist du wach?“ um viel zu später Uhrzeit, gefolgt von Gesprächen, die erst lustig waren und dann plötzlich weich wurden. Über Unsicherheit. Über Kleidung. Über das Gefühl, sich mal stark und mal zerbrechlich zu fühlen. Über diese seltsame Angst, als Femboy zwar süß gefunden, aber nicht wirklich ernst genommen zu werden.

Bei Jona musste ich nicht alles erklären.

Das war gefährlich schön.

Am Freitag schrieb er:

„Zweites Treffen? Diesmal bei mir. Gaming, Snacks, kein Flohmarkt-Chaos. Vielleicht weniger Plüschdrachen im Weg.“

Ich sah die Nachricht bestimmt eine Minute lang an.

Dann schrieb ich:

„Pixelbert fühlt sich ausgeschlossen.“

Jona antwortete sofort:

„Pixelbert ist eingeladen. Aber er bekommt keinen Controller.“

Also stand ich am Samstag wieder vor meinem Spiegel.

Diesmal war es nicht ganz so schlimm wie beim ersten Mal. Nicht ganz. Nur mittelschlimm. Ich probierte trotzdem drei Outfits an, verwarf zwei davon, stellte mich einmal zu lange von links und rechts vor den Spiegel und fragte mich, ob ich zu süß aussah oder nicht süß genug. Am Ende entschied ich mich für einen weichen schwarzen Hoodie mit kleinen weißen Sternen auf den Ärmeln, eine kurze Hose, dunkle Strumpfhose und meine Boots. Dazu trug ich die silberne Kette, die ich auch beim ersten Treffen getragen hatte.

Ich sah mich an und dachte: Okay. Das bist du. Und er mag dich so.

Dieser Gedanke machte mich nicht weniger nervös.

Aber wärmer.

Pixelbert packte ich natürlich mit ein. Nicht, weil ich albern war. Sondern aus Gründen der emotionalen Kontinuität. Sehr seriös.

Jona wohnte in einer kleinen Wohnung im dritten Stock. Als ich vor seiner Tür stand, hörte ich von drinnen leise Musik. Mein Herz klopfte, aber nicht mehr so panisch wie beim ersten Mal. Eher erwartungsvoll. So, als hätte es schon ein bisschen Vertrauen gesammelt und wollte testen, ob es tragen würde.

Ich klingelte.

Die Tür ging auf.

Jona stand da in einem übergroßen cremefarbenen Pullover, schwarzen Shorts und gestreiften Socken. Seine Haare waren noch etwas feucht, als hätte er kurz vorher geduscht und dann den Kampf gegen seine Frisur verloren. In einer Hand hielt er einen Controller.

„Ich wollte cool wirken“, sagte er zur Begrüßung. „Dann habe ich gemerkt, dass ich mit Controller in der Hand die Tür öffne.“

Ich lächelte. „Sehr charismatisch.“

„Danke. Ich nenne den Stil: Gamer mit Restwürde.“

„Mutig.“

Sein Blick fiel auf meine Tasche. „Ist er dabei?“

Ich hob Pixelbert heraus.

Jona legte eine Hand aufs Herz. „Unser Sohn.“

„Bitte übertreib nicht.“

„Unser Drache.“

„Besser.“

Er trat zur Seite. „Kommt rein. Beide.“

Seine Wohnung war genauso, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Nicht perfekt aufgeräumt, aber gemütlich. Ein Sofa mit viel zu vielen Kissen. Ein kleiner Schreibtisch mit zwei Monitoren. Regale voller Spiele, Figuren und Manga. Eine Lichterkette über dem Fernseher. Auf dem Couchtisch standen Schüsseln mit Chips, Schokolade und sauren Gummiwürmern. Daneben zwei Gläser und eine Flasche Limo.

Auf einem Kissen lag eine kleine Decke mit Sternenmuster.

„Du hast vorbereitet“, sagte ich.

„Nein.“

Ich sah ihn an.

Er sah zurück.

„Ein bisschen“, gab er zu.

„Süß.“

Jona wurde sofort rosa im Gesicht. „Du darfst das nicht so einfach sagen.“

„Warum nicht?“

„Weil ich dann vergesse, wie man normal steht.“

Tatsächlich stand er ein bisschen seltsam da, halb im Flur, halb im Wohnzimmer, als müsste er sich entscheiden, ob er Gastgeber oder flauschiges Chaos sein wollte.

Ich zog die Schuhe aus und stellte Pixelbert auf das Sofa.

„Er überwacht uns.“

„Gut“, sagte Jona. „Dann benehmen wir uns.“

Das hielten wir ungefähr sieben Minuten durch.

Wir starteten mit einem Koop-Spiel, das angeblich „entspannend“ sein sollte. Es hatte bunte Landschaften, niedliche Figuren und eine Musik, die nach friedlichem Sonntagnachmittag klang. Innerhalb kürzester Zeit schrien wir beide den Fernseher an, weil eine digitale Plattform sich bewegte, bevor wir bereit waren.

„Spring!“ rief Jona.

„Ich springe!“

„Nicht nach hinten!“

„Ich habe Panik!“

Meine Figur fiel in den Abgrund.

Jona legte den Controller kurz auf seinen Schoß und sah mich an. „Ich sage das mit Liebe: Du bist eine Gefahr für jede Mission.“

„Ich bin emotional wertvoll.“

„Das bist du.“

Er sagte es viel zu weich.

Ich sah schnell wieder auf den Bildschirm.

Mein Herz machte dieses dumme kleine Ding, das es immer machte, wenn Jona aus einem Witz plötzlich etwas Echtes machte. Es stolperte. Aber schön.

Nach ein paar Runden fanden wir unseren Rhythmus. Nicht im Spiel. Da waren wir weiterhin mittelmäßig. Aber miteinander. Wir neckten uns, lachten, gaben uns gegenseitig die Schuld und reichten uns Snacks, ohne groß darüber nachzudenken. Irgendwann saßen wir näher beieinander als am Anfang. Seine Schulter berührte meine. Erst zufällig. Dann nicht mehr zufällig.

Keiner sagte etwas dazu.

Manchmal sind die schönsten Dinge die, die man nicht sofort kommentiert.

Nach einer besonders chaotischen Runde, in der wir beide gleichzeitig von derselben Brücke fielen, ließ Jona sich rückwärts in die Sofakissen sinken.

„Wir sind schlecht.“

„Wir sind konsequent“, sagte ich.

„Konsequent schlecht.“

„Teamidentität.“

Er drehte den Kopf zu mir und grinste. „Ich mag unser Team.“

Ich hielt seinen Blick einen Moment länger, als ich es normalerweise getan hätte.

„Ich auch.“

Das Spielmenü blinkte im Hintergrund. Pixelbert saß auf dem Sofa neben uns, als würde er ein sehr strenges Urteil über unsere Leistung fällen.

Jona griff nach einem Gummiwurm und hielt ihn mir hin.

„Friedensangebot.“

„Wofür?“

„Für alle zukünftigen Abstürze.“

Ich nahm den Gummiwurm. Unsere Finger berührten sich. Kurz. Dann noch einmal, weil keiner von uns die Hand sofort wegzog.

Jona schaute auf unsere Hände.

„Darf ich?“, fragte er leise.

Ich wusste nicht genau, was er meinte. Oder doch. Vielleicht meinte er alles. Meine Hand halten. Näherkommen. Diesen Moment nicht wieder in einen Witz verwandeln.

Ich nickte.

Er nahm meine Hand.

Nicht dramatisch. Nicht fest. Einfach warm. Seine Finger verschränkten sich mit meinen, und plötzlich war das Wohnzimmer noch stiller. Nicht wirklich. Der Fernseher machte immer noch Geräusche, draußen fuhr irgendwo ein Auto vorbei, und im Hausflur fiel eine Tür ins Schloss. Aber zwischen uns wurde es ruhig.

„Ich war diese Woche nervös“, sagte Jona.

„Wegen heute?“

„Ja.“

Ich sah ihn überrascht an. „Du hast doch eingeladen.“

„Genau deshalb.“

Er lachte leise, aber es klang nicht ganz wie ein Witz. „Beim ersten Treffen konnte ich mir noch sagen, dass es Zufall war. Flohmarkt, Kaffee, alles locker. Aber heute… heute wollte ich, dass du wirklich kommst.“

Mein Herz wurde weich.

„Ich wollte auch wirklich kommen“, sagte ich.

Jona sah mich an. „Gut.“

„Sehr.“

Er drückte meine Hand leicht. „Noch besser.“

Ich lehnte mich zurück, ohne seine Hand loszulassen. Für eine Weile sagten wir nichts. Ich mochte das. Dieses Schweigen, das nicht leer war. Eher voll mit Dingen, die noch keine Worte brauchten.

Dann räusperte sich Jona.

„Ich habe etwas.“

„Ein Geschenk?“

„Vielleicht.“

„Für mich oder Pixelbert?“

„Schwierig. Ihr seid emotional sehr verbunden.“

Er stand auf, ging zu seinem Regal und holte etwas Kleines heraus. Als er zurückkam, hielt er eine winzige Figur in der Hand. Ein kleiner Pixelritter mit einem Schild in Herzform.

„Ich hab den gestern gesehen“, sagte er und wirkte plötzlich verlegen. „Er passt zu Pixelbert. So als… Begleiter.“

Ich nahm die Figur vorsichtig entgegen.

Sie war wirklich winzig. Und ein bisschen schief bemalt. Und absolut perfekt.

„Er hat ein Herzschild“, sagte ich.

„Ja.“ Jona zog seinen Ärmel über die Hand. „Ich dachte, Pixelbert braucht jemanden, der ihn beschützt.“

Ich sah erst auf die Figur, dann auf Jona.

„Das ist unfair süß.“

„Ich weiß.“

„Du hast das geplant.“

„Vielleicht.“

Ich setzte den kleinen Pixelritter neben Pixelbert aufs Sofa. „Dann ist er jetzt offiziell Teil der Crew.“

„Name?“

Wir überlegten viel zu lange. Vorschläge wie „Sir Herzelot“, „Klaus von Liebe“ und „Ritter Kusshold“ wurden aus unterschiedlichen Gründen verworfen. Am Ende entschieden wir uns für Sir Button.

„Pixelbert und Sir Button“, sagte Jona zufrieden. „Starkes Team.“

„Besser als wir im Koop-Spiel.“

„Deutlich.“

Ich sah die beiden Figuren nebeneinander an. Ein Plüschdrache und ein kleiner Ritter mit Herzschild. So albern. So unnötig. So sehr wir.

Und da merkte ich, dass ich glücklich war.

Nicht laut glücklich. Nicht perfekt. Sondern still und tief. So, als hätte etwas in mir für einen Moment aufgehört, sich zu verteidigen.

Jona setzte sich wieder neben mich. Diesmal näher. Unsere Knie berührten sich.

„Ich mag es hier gerade sehr“, sagte ich.

„Hier auf meinem chaotischen Sofa?“

„Ja.“

„Mit Pixelbert und Sir Button als Aufsicht?“

„Gerade deswegen.“

Jona lächelte. Dann wurde sein Blick ein bisschen ernster. „Ich mag dich hier.“

Ich sah ihn an.

Er schluckte leicht. „Also… nicht nur hier. Aber gerade besonders.“

Ich wollte einen Witz machen. Wirklich. Es lag mir auf der Zunge. Irgendetwas über Sofas, Drachen oder schlechte Flirt-Skills. Aber ich brachte es nicht über mich. Weil der Moment zu ehrlich war.

„Ich mag dich auch“, sagte ich.

Jona atmete langsam aus, als hätte er diesen Satz schon länger gehalten.

„Gut.“

„Sehr gut“, sagte ich.

Er lachte leise. Dann hob er seine freie Hand und strich ganz vorsichtig eine Haarsträhne aus meinem Gesicht. Seine Finger berührten meine Stirn nur leicht, aber mir wurde warm bis in die Ohren.

„Okay?“, fragte er.

„Ja.“

Sein Blick wanderte zu meinen Lippen.

Ich musste lächeln. „Du fragst gleich wieder, oder?“

„Wahrscheinlich.“

„Du darfst.“

„Ich habe noch gar nicht gefragt.“

„Ich beantworte effizient.“

Jona grinste. „Sehr praktisch.“

Dann küsste er mich.

Es war anders als beim ersten Mal. Weniger überraschend. Nicht weniger aufregend, aber vertrauter. Sanft, warm, ein bisschen lächelnd. Seine Hand hielt meine, seine andere lag vorsichtig an meinem Ärmel, und ich spürte seinen Pullover unter meinen Fingern. Kein Flohmarkt, keine Brücke, kein Plüschdrache zwischen uns. Nur wir auf seinem Sofa, in einem Raum voller Lichterketten, Spiele und viel zu vieler Gefühle.

Als wir uns voneinander lösten, sah Jona mich so weich an, dass ich fast nicht wusste, wohin mit mir.

„Highscore?“, fragte er leise.

Ich schnaubte. „Du ruinierst den Moment.“

„Aber romantisch.“

„Ein bisschen.“

„Also Highscore?“

Ich tat so, als müsste ich überlegen. „Neuer persönlicher Rekord.“

Er legte den Kopf zurück und lächelte zur Decke. „Ich nehme das.“

Danach spielten wir weiter. Zumindest versuchten wir es. Unsere Konzentration war komplett dahin. Ich vergaß ständig, welche Taste ich drücken musste, Jona lief gegen digitale Wände, und einmal blieben unsere Figuren einfach nebeneinander stehen, während wir beide viel zu sehr damit beschäftigt waren, unsere Hände auf dem Sofa wiederzufinden.

„Wir werden dieses Level nie schaffen“, sagte ich.

„Vielleicht ist das nicht schlimm.“

„Das ist sehr schlechte Gamer-Mentalität.“

„Ich habe gerade andere Prioritäten.“

Ich sah ihn an. „Sir Button ist enttäuscht.“

„Sir Button versteht Liebe.“

„Pixelbert nicht. Pixelbert will Effizienz.“

„Pixelbert soll sich entspannen.“

Wir lachten beide, und ich dachte, dass ich mich selten so leicht gefühlt hatte. Nicht, weil alle Unsicherheit weg war. Sie war noch da. Natürlich. Aber sie saß nicht mehr am Steuer. Sie durfte hinten mitfahren und ab und zu skeptische Kommentare machen, während mein Herz endlich mal die Route bestimmte.

Später kochten wir Nudeln. Oder besser gesagt: Wir versuchten es. Jona behauptete, er könne eine „legendäre Tomatensauce“ machen, und ich glaubte ihm ungefähr drei Minuten lang. Dann stellte sich heraus, dass seine Legende hauptsächlich aus passierten Tomaten, Knoblauchpulver und Optimismus bestand.

„Das ist keine Sauce“, sagte ich und rührte im Topf.

„Doch. Minimalistische Sauce.“

„Sie schmeckt nach warmem Mut.“

„Danke.“

„Das war keine Auszeichnung.“

„Ich nehme sie trotzdem.“

Wir verbesserten die Sauce mit allem, was seine Küche hergab: Kräuter, ein bisschen Chili, ein Rest Frischkäse, von dem er schwor, dass er noch gut war. Am Ende schmeckte es erstaunlich lecker. Vielleicht, weil wir Hunger hatten. Vielleicht, weil man Essen mehr mag, wenn man zusammen darüber gelacht hat.

Wir aßen auf dem Sofa, weil sein Esstisch von „wichtigen Dingen“ belegt war. Diese wichtigen Dinge waren ein offenes Paket, zwei Manga, ein Ladekabel und eine einzelne Socke.

„Die Socke ist Teil eines Systems“, erklärte Jona.

„Welches System?“

„Chaos mit Absicht.“

„Natürlich.“

Nach dem Essen wurde es ruhiger. Die Konsole war aus, die Musik lief leise, und draußen hatte es angefangen zu regnen. Nicht stark. Nur dieses sanfte Klopfen gegen die Fenster, das einen Raum automatisch gemütlicher macht.

Jona saß neben mir, die Beine angezogen, sein Pulloverärmel über der Hand. Ich hatte Pixelbert auf dem Schoß und Sir Button daneben gelegt.

„Darf ich dir was Ehrliches sagen?“, fragte er.

Ich sah ihn an. „Ja.“

Er schaute kurz zum Fenster, dann wieder zu mir. „Ich hatte Angst, dass du mich nach dem ersten Treffen vielleicht doch nicht mehr so spannend findest.“

„Warum?“

Er zuckte mit den Schultern. „Weil online alles leichter ist. Und erste Treffen haben diesen Zauber. Manchmal ist das zweite Treffen der Moment, in dem man merkt, dass da doch nicht so viel ist.“

Ich streichelte gedankenverloren Pixelberts Kopf.

„Ich hatte eher Angst, dass ich beim zweiten Treffen zu viel bin“, sagte ich.

„Du bist nicht zu viel.“

„Das sagst du schnell.“

„Weil ich es meine.“

Ich sah ihn an. Und diesmal glaubte ich ihm ein bisschen mehr als beim ersten Mal.

„Du bist auch nicht zu wenig“, sagte ich leise.

Jona blinzelte.

„Falls du das manchmal denkst.“

Sein Blick wurde weicher. Fast verletzlich. „Manchmal.“

„Dann denk es heute nicht.“

Er lächelte klein. „Okay.“

Ich rückte näher zu ihm und lehnte meinen Kopf an seine Schulter. Dieses Mal war es nicht testweise. Nicht vorsichtig als Fluchtoption. Ich blieb einfach dort.

Jona legte seinen Kopf leicht gegen meinen.

„Das ist gut“, murmelte er.

„Ja.“

„Sehr gut.“

Draußen regnete es weiter. Die Lichterkette spiegelte sich im Fenster. Pixelbert und Sir Button lagen nebeneinander, als hätten sie ihre eigene kleine Mission erfüllt. Und ich dachte, dass Liebe vielleicht nicht immer mit einem großen Bekenntnis beginnt. Vielleicht beginnt sie mit Wiedersehen. Mit der Entscheidung, nach dem ersten schönen Moment noch einmal aufzutauchen. Sich noch einmal zu zeigen. Nicht nur als Zauber des Anfangs, sondern als echter Mensch auf einem Sofa, mit schlechten Spielkünsten, Tomatensauce aus Optimismus und einem Herzen, das langsam Vertrauen fasst.

Als ich später gehen musste, standen wir im Flur. Wieder dieser Moment, in dem keiner zuerst die Tür öffnen wollte.

„Schreibst du, wenn du zu Hause bist?“, fragte Jona.

„Ja.“

„Pixelbert auch?“

„Pixelbert bleibt heute bei mir. Aber Sir Button kann ihm eine Nachricht diktieren.“

Jona grinste. „Sehr gut.“

Dann wurde er stiller. „Ich würde dich gern bald wiedersehen.“

„Ich dich auch.“

„Kein Vielleicht?“

Ich lächelte. „Kein Vielleicht.“

Sein Gesicht hellte sich so sehr auf, dass ich kurz vergaß, dass Abschiede eigentlich traurig sein sollten.

Er küsste mich noch einmal. Kurz, aber warm. Diesmal ohne Nervosität, die alles übertönte. Nur ein kleines Versprechen zwischen zwei Menschen, die noch nicht wussten, wohin es ging, aber beide Lust hatten, weiterzugehen.

Auf dem Heimweg hielt ich Pixelbert in meiner Tasche und den kleinen Sir Button in der Hand. Jona hatte darauf bestanden, dass Sir Button „zur Eingewöhnung“ mit zu mir durfte. Ich hatte nicht widersprochen.

Zu Hause stellte ich beide auf mein Regal.

Pixelbert, der Drache.

Sir Button, der Ritter mit Herzschild.

Dann vibrierte mein Handy.

Jona: „War schön mit dir. Also wirklich schön.“

Ich lächelte und schrieb zurück:

„Fand ich auch. Trotz Sauce.“

Seine Antwort kam sofort:

„Die Sauce war romantisch.“

Ich tippte:

„Die Sauce war mutig.“

Dann kam:

„Wie wir?“

Ich sah lange auf diese zwei Worte.

Wie wir.

Nicht perfekt. Nicht sicher. Nicht fertig.

Aber mutig.

Ich legte mich ins Bett, zog die Decke bis zur Nase und sah zu den beiden kleinen Figuren auf dem Regal. Zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte sich die Zukunft nicht wie ein unübersichtliches Level an, in dem ich allein herumlief.

Vielleicht hatte ich jetzt jemanden, der neben mir spawnte.

Jemanden, der lachte, wenn wir fielen.

Jemanden, der blieb, wenn es nicht perfekt war.

Und vielleicht war genau das der schönste neue Speicherstand von allen.

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